Geld verdienen mit Rohstoffen: Investments Börse und die Macht der Dinge


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Text stammt aus: Rohstoffe der attraktivste Markt der Welt. Wie jeder von Öl, Kaffee und Co. profitieren kann (2016) Die Wallstreet ist auch nur eine Straße. Lektionen eines Investment-Rebellen (2013) von Jim Rogers, erschienen bei Münchener Verlagsgruppe (MVG), Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Bildrechte:  Bildmaterial erstellt im Rahmen einer kostenlosen Kooperation mit Shutterstock. .

Das nächste heisse Ding sind – Dinge. Eine neue Hausse ist im Gang, und sie findet bei den Rohstoffen statt.

Geld verdienen mit Rohstoffen: Investments Börse und die Macht der Dinge

Hier schreibt für Sie:

 

Jim Rogers ist ein US-amerikanischer Hedgefondsmanager und Schriftsteller.

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Rohstoffe sind allgegenwärtig

Es geht um „Commodities“, „Materialien“, „harten Vermögensgegenständen“ und „greifbaren Dingen“, die nicht nur in Ihrem Leben, sondern im Leben jedes Menschen auf der Welt eine ganz wesentliche Rolle spielen. Wenn Sie in den Supermarkt oder ins Einkaufszentrum gehen, befinden Sie sich zwischen lauter Rohstoffen, die weltweit gehandelt werden. In Ihrem Auto oder Lastwagen sind Sie ebenfalls von lebhaft gehandelten Rohmaterialien umgeben. Ohne die Futures-Märkte, wo die Rohstoffpreise ermittelt und reguliert werden, wären Dinge rar und oft auch zu teuer, die wir alle zum Leben brauchen. Zu diesen wesentlichen Dingen gehören Öl, Erdgas, Weizen, Mais, Baumwolle, Sojabohnen, Aluminium, Kupfer, Silber, Gold, Rinder, Schweine, Schweinebäuche, Zucker, Kaffee, Kakao, Reis, Wolle, Gummi, Bauholz und die etwa 80 anderen Dinge, die in der Bibel der Trader aufgelistet sind – also im Commodity Research Yearbook.

Rohstoffe sind so allgegenwärtig, dass man meiner Meinung nach nicht erfolgreich in Aktien, Anleihen oder Devisen investieren kann, wenn man die Rohstoffmärkte nicht versteht. Man muss sie verstehen, auch wenn man nur in Aktien und Anleihen investieren will. Rohstoffe gehören in jedes wirklich gut diversifizierte Depot. Mit einem Rohstoff-Investment kann man sich gegen eine Aktienbaisse, galoppierende Inflation und sogar eine schwerwiegende Wirtschaftskrise absichern. Rohstoffe sind nicht das „riskante Geschäft“, als das sie oft bezeichnet werden. Ich glaube, dass Rohstoffinvestments in den kommenden zehn Jahren enorme Chancen bieten werden. Für die meisten Investoren ist der Rohstoffhandel ein geheimnisvolles Land voller sagenhafter Drachen.

Mehr Lernen über Rohstoffe

Viele intelligente und gut informierte Leute wissen nichts über Rohstoffe. Dafür kennen sie die KGVs großer und kleiner Aktien, studieren die Bilanzen von Hightech- und Biotech-Unternehmen, von Halbleiterproduzenten und kleinen Banken in den Südstaaten. Diese selbst ernannten „erfahrenen Investoren“ verfolgen die Kurse und Renditen von Anleihen genauer als die Baseball-Ergebnisse und haben womöglich sogar ein Auge auf den Euro, den Yen, den Dollar und den Schweizer Franken. Falls sie doch etwas wissen, handelt es sich meist um Informationen aus zweiter oder dritter Hand, die sie missverstanden haben und die in der Regel noch eine warnende Geschichte von einem Schwager enthalten, der mit einer Sojabohnen-Spekulation sein letztes Hemd verloren hat. Wenn ein Investor vor Rohstoffen zurückschreckt, verpasst er unglaubliche Möglichkeiten – ähnlich wie Amerikaner, die nie ins Ausland reisen, weil sie dort weder Sprache noch Bräuche kennen und befürchten, deshalb erniedrigt oder betrogen zu werden.

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Man kann nicht einen kompletten Marktsektor ignorieren – jedenfalls nicht, wenn man wirklich als „intelligenter Investor“ gelten will. Wenn Sie einen Freund haben, der stark am Aktienmarkt engagiert ist und in den 90er-Jahren nie auch nur daran gedacht hat, eine Technologie-Aktie zu kaufen, der nicht zur Kenntnis nahm, was in der Welt von Microsoft, Cisco, Amazon, eBay und sogar IBM vor sich ging, dann finden Sie dessen Verhalten mit Sicherheit merkwürdig. Und doch haben sich die meisten Investoren im Rohstoffbereich exakt so verhalten. Ein Grund für die gute Entwicklung von Unternehmen und Aktien in den 80er- und 90er-Jahren war, dass sich die Rohstoffe in einer Baisse befanden: Niedrige Rohstoffpreise nahmen jeglichen Kosten- und Margendruck von denjenigen Unternehmen, die Rohstoffe für ihre Tätigkeit benötigen.

Wann platzt die Blase?

Wer der Überzeugung war, dass die Rohstoffbaisse in den späten 90er-Jahren enden würde, der sah auch das Ende der Aktienhausse kommen. Die Kommentatoren auf CNBC strahlten damals noch über das ganze Gesicht und rieten, noch mehr Dotcom-Aktien zu kaufen – während die klugen Investoren den Markt verließen und sich den Rohstoffen zuwandten. Sie konnten sehen, dass die steigenden Kosten bald auf die Gewinne drücken würden – und dass die Aktienkurse den Gewinnen folgen würden. Wir reden hier nicht von Kleinigkeiten. Der Rohstoffmarkt ist der größte Markt der Welt – wenn man von den Wertpapierhandelsplätzen absieht. Die jährliche Produktion der 35 am aktivsten gehandelten Rohstoffe, deren Preise täglich in New York, Chicago, Kansas City, London, Paris und Tokio festgestellt werden, ist 2,2 Billionen Dollar wert.

Das an den Rohstoffbörsen gehandelte Geldvolumen ist um ein Mehrfaches höher als an allen Aktienmärkten der USA. (Die Umsätze des außerbörslichen Rohstoffhandels sind noch einmal um ein Vielfaches höher als die Umsätze an den Rohstoffbörsen.) Und wo immer es einen Markt gibt, da kann man auch Gewinne erzielen. Ich weiß: Die Wirtschaftsseiten Ihrer Tageszeitung, die Finanzmagazine und CNBC widmen sich hauptsächlich dem Aktienmarkt. Wenn man den Medien und anderen Aktienmarkt-„Experten“ glaubt, dann hat sich der Aktienbulle immer gleich hinter der nächsten Ecke versteckt. Aber Millionen von Investoren, die 1998 bis 2000 auf das Geschwätz der Experten über die New Economy hörten, haben mit Aktien enorme Verluste erlitten und mühen sich immer noch ab, ihr Geld wiederzubekommen. Der kluge Investor sucht nach Möglichkeiten, Wertvolles billig zu kaufen, und hat dabei immer ein Auge auf eine bevorstehende dynamische Veränderung gerichtet, die dieses Investment sogar noch wertvoller machen könnte. Heute trifft auf die Rohstoffe beides zu. Die Baisse endete 1998, als sich die Preise ihren 20-Jahres-Tiefs näherten (die inflationsbereinigt den Preisen während der Weltwirtschaftskrise entsprachen).

Was hat die Börse mit Philosophie zu tun?

Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften (PPE) als akademischer Grad wurde in den 1920er-Jahren in Oxford konzipiert, insbesondere am Balliol College. Gedacht war diese Kombination als Alternative zu den klassischen Fächern und zur Vorbereitung derjenigen, die als britische Beamte das Empire verwalten sollten. Natürlich war den Briten damals nicht klar, dass das Empire schon in den letzten Zügen lag. Heute weiß ich genug über universitäre Ausbildung, um mich zu fragen, ob die Aussendung vieler wichtigtuerischer PPE-Absolventen den Niedergang des Empires vielleicht sogar beschleunigt hat. Das Vereinigte Königreich war 1918 das reichste und mächtigste Land der Welt. Wenn man die Weltkarte betrachtete, sah man ausschließlich rot. Das Empire war überall. Im 19. Jahrhundert blühte der globale Handel; es kam zur Integration der weltweiten Volkswirtschaften, die sich überall öffneten – hauptsächlich zum Vorteil der Seemacht Großbritannien. In wirtschaftlicher, sozialer und künstlerischer Hinsicht war das eine spannende Zeit.

Aber alle Imperien übernehmen sich am Ende und geben zu viel Geld aus. 1918 korrodierte das britische Weltreich bereits von innen her. Das Blut und das Geld, das der Burenkrieg gekostet hatte, führten zu den gleichen internationalen Turbulenzen, wie sie ein Jahrhundert später von den unfähigen Politikern eines nachfolgenden Imperiums ausgelöst wurden – den USA. Die Amerikaner verschwendeten willkürlich Menschenleben und Ressourcen mit sinnlosen Unternehmungen in Vietnam und im Irak; sie überstrapazierten die Nation in jeglicher Hinsicht: militärisch, geopolitisch und wirtschaftlich – vom moralischen Aspekt ganz zu schweigen.

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Wie wird man zum erfolgreichen Investor?

Meine Heimatstadt Demopolis liegt mitten in Alabama, dort, wo der Black Warrior River in den Tombigbee River mündet. Sie ist die größte Stadt im Marengo County und befindet sich mittendrin in einer Region, die Teile von Alabama, Georgia und Mississippi umfasst und historisch als Black Belt bekannt ist. Man nennt sie so, weil es dort reichen und fruchtbaren Ackerboden gibt, der 200 Jahre lang das Wachstum riesiger Baumwollplantagen gefördert hat. Manche von ihnen überlebten die Abschaffung der Sklaverei, aber keine überlebte den Rüsselkäfer, der die Samenkapseln der Pflanzen absterben ließ.

Als ich ein kleiner Junge war, gruben meine Freunde und ich in dieser Erde nach Ködern, und dann verbrachten wir den Rest des Tages mit Angeln. Katzenwelse sind Allesfresser und beißen auf fast alles, das sie riechen können. Sie können auch fast alles riechen, und an einem heißen Sommertag sind Würmer leichter zu finden als Grillen. Ich war ungefähr acht Jahre alt und wir gruben im Garten unseres Hauses nach Würmern. Da machte mein Cousin Wade, etwa zehn Monate älter als ich, eine Bemerkung, mit der ich damals überhaupt nichts anfangen konnte, die mir aber bis heute im Gedächtnis geblieben ist, als wäre es gestern gewesen. »Wenn wir weiterbuddeln, kommen wir irgendwann bis nach China.« Ich wusste damals schon, dass die Erde eine Kugel ist, aber erst als ich einen Globus zur Verfügung hatte – ich war schon damals ein begeisterter Forscher – konnte ich die Tatsache wirklich würdigen, dass direkt gegenüber von Alabama, auf der anderen Seite des Planeten, die riesige Landmasse der Volksrepublik lag. Bedeckt mit Dreck und Schweiß würde ich tatsächlich dort wieder ans Tageslicht kommen, wenn ich nur die Energie aufbrächte, immer weiter zu graben.

Der Aufstieg Asiens

Seither sind Jahrzehnte vergangen, mein Leben ist nicht ganz so geradlinig verlaufen, aber heute lebe ich tatsächlich an der Schwelle zu China. Und ich habe zwei kleine Töchter mit blauen Augen und blonden Haaren, die Mandarin ebenso fließend sprechen wie Englisch. Wie kam es dazu, dass ich heute in Singapur lebe? Auch das hat etwas mit Graben zu tun, wenn auch auf andere Weise; nicht ganz so mühsam, aber nicht mit weniger Energie. Es ist die Folge meiner unermüdlichen Anstrengungen, aus erster Hand zu erfahren, wie die Welt funktioniert, die wahren Zusammenhänge zu ermitteln – und zwar nur für mich selbst. Ich bin zweimal rund um die Welt gereist; einmal auf einem Motorrad, einmal in einem Auto. Ich habe sie von Grund auf studiert, habe in diesen fünf Jahren die sich verändernden Umstände in mehr als 100 Ländern aufgezeichnet. Aus meiner Sicht kann man die Geschichte und ihre Folgen nicht vom Lehnstuhl aus verstehen. Man muss an der Quelle forschen. Für mich hat sich das als sehr lohnend erwiesen; sowohl persönlich als auch materiell. Und es musste wohl so kommen, dass ich nun hier gelandet bin. Weit weg vom ländlichen Alabama, stattdessen im größtenteils chinesisch geprägten Außenposten am südlichen Ende der Malaiischen Halbinsel. Wenn die Geschichte etwas bestätigt, dann ist es die von den alten Griechen vertretene Meinung, das einzig Beständige sei der Wandel. Der geistige Vater dieses Gedankens war der Philosoph Heraklit, der im 6. Jahrhundert vor Christus erklärte, es sei unmöglich, zweimal in denselben Fluss zu steigen. Der Erfolg im Leben wird an der Fähigkeit gemessen, Veränderungen zu antizipieren. Mein Umzug nach Singapur war die Reaktion auf meine Feststellung, dass die Welt mitten in einer historischen Wende steckte, in einer dramatischen Veränderung der Rahmenbedingungen, gekennzeichnet von einem allmählichen Verlust der amerikanischen Führungsrolle und andererseits dem Aufstieg Asiens.

Ich schreibe dies inmitten einer weltweiten Finanzkrise. Die meisten Politiker versichern Ihnen, diese Krise sei ein vorübergehendes Phänomen. Man sagt uns, die Dinge würden wieder besser werden. Damit will ich mich gar nicht auseinandersetzen. Ich erachte es als meine Aufgabe, Ihnen zu sagen: Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Dinge während Ihrer Lebenszeit auf Dauer zum Besseren wenden werden. Die unglaublichen Schuldenlasten in vielen Ländern werden die Art, wie wir alle leben und arbeiten, massiv verändern. Viele alte Institutionen, Traditionen, politische Parteien, Regierungen, Kulturen und sogar Nationen werden einen Niedergang erleben, sogar zusammenbrechen oder einfach verschwinden – so wie es in Zeiten politischer und ökonomischer Umwälzungen schon immer der Fall war. Die Investmentbank Bear Stearns hatte zum Beispiel schon jahrzehntelang existiert, als sie 2008 unterging. Die Finanzdienstleistungsfirma Lehman Brothers, die im selben Jahr kollabierte, hatte ihre Geschäfte schon seit mehr als 150 Jahren betrieben. Der Zusammenbruch dieser seit Langem etablierten, global tätigen Unternehmen ist ein Beispiel für die veränderten Bedingungen, mit denen sich viele amerikanische Institutionen konfrontiert sehen. Harvard, Princeton und Stanford wissen es vielleicht noch nicht, aber sie könnten auf dem Weg zum Bankrott sein. Museen, Kliniken und andere Institutionen, die wir kennen und lieben, stehen vor Problemen, und wir werden sehen, dass viele von ihnen während der bevorstehenden finanziellen oder ökonomischen Umwälzungen verschwinden werden. Manche haben mich einen Panikmacher genannt, eine Art moderne Kassandra. Aber nichts von dem, was ich für die Zukunft prognostiziere, muss ein Grund zur Panik sein oder auch nur überraschend kommen. Der Wind der Veränderung weht, er weht aus China und tut dies auf vorhersagbare Art und Weise. Wir erleben nichts Ungewöhnliches; die Geschichte schlägt nur eine bekannte Seite auf. Und in der gesamten Menschheitsgeschichte haben solche Situationen des Übergangs für aufmerksame Menschen Chancen geschaffen. Daher bin ich extrem optimistisch, was viele zukünftige Entwicklungen betrifft.

Krisen und Übergänge

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gingen kluge Leute nach London. Hundert Jahre später zogen die klugen Leute nach New York. Und wenn Sie am Beginn des 21. Jahrhunderts klug sind, machen Sie sich auf den Weg nach Asien. In weiteren hundert Jahren kann der Zyklus der Veränderung die Menschen an irgendeinen anderen Ort locken. Am Ende des ersten Jahrtausends gingen alle klugen Laute nach Córdoba, der Blüte des islamischen Spaniens, damals das intellektuelle Zentrum und die bevölkerungsreichste Stadt der Welt. Ich zog 2007 nach Asien, und was noch wichtiger ist: Ich zog mit meinen Kindern dorthin. In ihrem Leben wird Wissen über Asien unentbehrlich sein für den Erfolg. Und Mandarin zu sprechen wird sich weltweit als ebenso wichtig erweisen, wie es heute die Fähigkeit ist, fließend Englisch zu sprechen. In den 1920er- und 1930er-Jahren verschoben sich Macht und Einfluss in der Welt von Großbritannien zu den USA. Der Verlust der britischen Führungsrolle wurde durch eine Finanzkrise und politisches Missmanagement noch verschärft – was viele Leute erst 20 oder 30 Jahre später erkannten. Jetzt bewegen sich Macht und Einfluss von den USA nach Asien, der Verlust der amerikanischen Führungsrolle wird durch die gleichen Kräfte beschleunigt, und auch diese Veränderungen werden von den meisten Leuten nicht bemerkt. Der Übergang in Richtung Asien fällt mit einer zweiten historischen Verschiebung zusammen. Angesichts eines finanziellen Absturzes steht die Welt am Rand eines Übergangs, weg vom Finanzwesen, einer zyklischen Verschiebung weg von Finanzunternehmen als Quelle des Wohlstands. In der gesamten Menschheitsgeschichte gab es Phasen, in denen die Finanziers am längeren Hebel saßen, und andere, in denen diese Rolle den Erzeugern realer Güter zukam: Bauern, Bergarbeitern, Energieversorgern oder Holzfällern. In den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren, vor der großen Hausse, war an der Wall Street und in der Londoner City wenig los. Das wird wieder passieren. Die Geldscheffler erleben einen Niedergang, und die »Holzhauer und Wasserträger« werden nun die Erde erben, wie es schon im Buch Josua geschrieben steht.

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Ich habe die historischen Kräfte untersucht, die für die beschriebenen Veränderungen verantwortlich sind. Und weil ich der einfachen Hypothese zuneige, dass nichts ewig währt, stimme ich der Bemerkung eines anderen großen Denkers zu, Albert Einstein, der erklärte: »Nur zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Und was das Universum betrifft, bin mir nicht so sicher.« Eines dürfen wir nicht vergessen: Kassandra, die trojanische Prinzessin, die allen auf die Nerven ging, weil sie davor warnte, das hölzerne Pferd der Griechen in die Stadt zu holen, hat sich zumindest durch eines ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt: Sie hatte recht. Eines der Ziele dieses Buchs ist die Untersuchung, wie wir dorthin gekommen sind, wo wir jetzt sind, und wie wir uns auf die Zukunft vorbereiten können. Ich werde Ihnen dabei einiges mitteilen, was ich während eines Lebens im Finanzwesen, als Investor und Abenteurer gelernt habe; Lektionen, die ich in meiner Jugend und auf der Straße mitbekommen habe, die mich vom Black Belt bis auf die andere Seite des Globus in diesen Stadtstaat in Südostasien geführt haben. Eine lebenslange Reise, in deren Verlauf ich die ganze Welt kennengelernt habe.

Das Abenteuer an den Märkten

Mein Abenteuer an den Märkten begann im Frühjahr 1964. Ich absolvierte gerade mein letztes Jahr in Yale und kam dann im Prinzip genauso an die Wall Street, wie ich an diese Elite-Universität gekommen war: Ich stolperte hinein.

In der Highschool war ich begeistertes Mitglied des Key Clubs, einer von Schülern geleiteten Dienstleistungsorganisation und Teil von Kiwanis International. Bis 1976 durften dort nur Jungs Mitglied werden. Die Mitgliedschaft im Key Club von Demopolis war so etwas wie eine große Sache, denn der örtliche Sponsor hatte beschlossen, pro Jahr nur fünf Jungs neu aufzunehmen. In dem Jahr, als ich Vorsitzender war, gewann der Club aus Demopolis die Auszeichnung als weltweit bester Key Club aus einer Kleinstadt. Damals vergab die Universität Yale jedes Jahr ein vierjähriges Stipendium an ein Mitglied des Key Club International. Durch dieses Stipendium hörte ich von Yale. Ohne den Key Club hätte ich mich nie beworben. Ich war mir absolut sicher, die einzige Schule zu besuchen, an der ich mich neben Yale beworben hatte: die University of the South in Sewanee, Tennessee. Der Schwerpunkt lag dort auf den Geisteswissenschaften und es bestand eine enge Verbindung zur Episkopalkirche. Ich wurde in Sewanee aufgenommen, kurz nachdem ich meine Bewerbungsunterlagen eingeschickt hatte. Erst im April oder im Mai, lange nachdem mein Vater Sewanee die obligatorischen 50 Dollar Aufnahmegebühren geschickt hatte, erhielt ich einen dicken Umschlag aus Yale. Daraus ging hervor, dass ich aufgenommen worden war und das Key-Club-Stipendium in Höhe von 2000 Dollar pro Jahr erhielt. Ich war verblüfft. Ich war damals 17 und wusste wenig über Yale, außer dass die Universität ihren Sitz in New Haven, Connecticut, hatte. Meine Eltern wussten allerdings genug, um die Bedeutung meiner Aufnahme in Yale würdigen zu können. Beide waren College-Absolventen. Sie hatten sich an der University of Oklahoma kennengelernt, wo sie beide der Vereinigung hervorragender Akademiker angehörten. Mein Vater hatte Erdöltechnik studiert, meine Mutter Geisteswissenschaften. Für sie war es eine enorme Sache, dass ich in Yale studieren würde. Ich weiß noch, dass mein

Vater sagte: »Ich bin ein wenig besorgt, dass wir dich in dieser Bastion des Liberalismus im Norden abliefern müssen.« Aber in Wirklichkeit waren er und meine Mutter ganz begeistert. Die Freude meines Vaters wurde später ein wenig gedämpft, weil er die 50 Dollar nicht zurückerstattet bekam, die er nach Sewanee geschickt hatte. 1960 in Demopolis waren 50 Dollar viel Geld. Es ist auch heute noch viel Geld, aber damals lag ihr Wert etwa fünfmal so hoch wie heute. Ich war der älteste von fünf Brüdern und einer von weniger als 50 Studenten aus meinem Highschool-Jahrgang. Bald zeigte ich ihnen allen den übertriebenen Sinn für meine eigene Wichtigkeit, obwohl ich letztlich nur Glück gehabt hatte. Sofort machte ich den dicken Max, aber mein aufgeblähtes Selbstwertgefühl sollte nur von kurzer Dauer sein. Bald dämmerte mir: Oh nein, jetzt muss ich nach Yale. Und plötzlich wurde ich ängstlich, weil ich wusste, dass ich überfordert war. Was werde ich jetzt tun? Als ich in diesem Sommer zur nationalen Tagung des Key Clubs nach Boston fuhr, stieg ich in New Haven aus dem Zug und ging zum Zulassungsbüro in Yale. Ich wollte wissen, warum man mich aufgenommen hatte. Ich hoffte, ich würde durch das Stellen dieser Frage eine Vorstellung davon erhalten, was mich erwartete und was diese Leute von mir erwarteten. Der Leiter der Zulassungsstelle suchte meine Akte heraus und fragte: »Was meinen Sie eigentlich? Sie haben als Bester Ihrer Klasse abgeschnitten. In manchen Fächern hatten Sie die volle Punktzahl. Sogar Ihr Durchschnitt lag fast bei der vollen Punktzahl.« Ja, aber das war in Demopolis. Mein Gott, dachte ich mir, diese Leute halten mich für intelligent und glauben, dass ich etwas weiß.

Der Wettbewerb an der Hochschule

Ich fühlte mich völlig unvorbereitet auf den Wettbewerb mit Absolventen angesehener Vorbereitungsschulen aus dem Nordosten. Daher fuhr ich schon ein wenig früher nach Yale und war bereit, angestrengter zu lernen als alle anderen. Dann kam eine Prüfung, wie ich mich erinnern kann, und einer meiner Klassenkameraden sagte, er werde fünf Stunden lernen, um sich darauf vorzubereiten. »Diese Prüfung ist fünf Stunden Lernen wert«, sagte er. Ich fand seine Argumentation sehr seltsam. Meine Methode war, so lange zu lernen, bis ich das Thema beherrschte, und dann sicherheitshalber noch ein bisschen mehr. Das war auf allen Gebieten meine Methode; diese Disziplin hatten meine Brüder und ich von unseren Eltern übernommen. So etwas wie »genug« gibt es nicht. Man lernt, arbeitet oder forscht einfach weiter; egal, um welche Aufgabe es sich handelt. Ich wünschte, ich könnte diesen Charakterzug heute auf meine Kinder übertragen. Ich wünschte, ich könnte meine Eltern anrufen und fragen: »Welche Pille habt ihr uns gegeben?« Nennen Sie es Disziplin, nennen Sie es Sorgfalt oder Arbeitsethik – wir haben sie alle, meine Brüder und ich. Ich weiß nicht, woher das kommt. Ich wünschte, ich könnte das Gen dafür bestimmen. Ich bin sicher nicht der Einzige, der den Wert der Beharrlichkeit zu schätzen weiß. Wir alle kennen kluge Menschen, die nicht erfolgreich sind; wir alle kennen talentierte Menschen, die nicht erfolgreich sind. Beharrlichkeit macht den Unterschied aus.

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Die Kosten für Studiengebühren, Kost und Logis in Yale betrugen damals 2300 Dollar jährlich. Mit meinem 2000-Dollar-Stipendium fehlten mir also von Anfang an 300 Dollar – und hinzu kamen noch die Kosten für Bücher und andere Ausgaben. Also arbeitete ich ein paar Stunden pro Woche als Aushilfe im Speisesaal und nahm weitere Teilzeitarbeiten an der Universität an, wann immer ich dort war. Arbeitserfahrung in der Jugend bietet quantifizierbare Vorteile. Sie lehrt nicht nur den Wert des Geldes, sondern hilft auch bei der Entwicklung einer eigenen Identität. Wenn man lernt, die eigenen Finanzen zu managen, gewinnt man ein greifbares Maß an Autonomie. Schon früh im Leben finanzierte ich mein eigenes Auto, lange bevor ich nach Yale kam. Als ich sechs Jahre alt war, brachte mir mein Vater bei, dass »Geld nicht auf Bäumen wächst«, und bestand darauf, dass ich meinen Baseballhandschuh selbst bezahlte.

Die beste Prognose für ein glückliches Leben

Ich ging zu Braswell Hardware in Demopolis und suchte mir einen Handschuh aus, der 4 Dollar kostete. Ich nahm ihn mit nach Hause, und jeden Samstag stotterte ich beim Ladenbesitzer Cruse Braswell 15 Cent ab, bis der Kaufpreis vollständig beglichen war. Jahre später zitierte der Dekan einer Business School eine Universitätsstudie und sagte mir, der beste Prognosefaktor für ein glückliches Lebens als Erwachsener sei ein bezahlter Job im Jugendalter. Alles in allem verbrachte ich eine schöne Zeit in Yale. Ich wählte Geschichte als Hauptfach und war in den ersten beiden Studienjahren Steuermann des Ruderteams (im letzten Jahr nicht mehr). Ich beschäftigte mich sogar ein wenig mit Schauspielerei und hatte einige Hauptrollen. Der Regisseur einer dieser Aufführungen war John Badham aus dem Abschlussjahrgang 1961. Können Sie sich vorstellen, was für ein Erfolg sein Film Saturday Night Fever geworden wäre, hätte er sich an mich erinnert und mir die Hauptrolle gegeben? Aber so gut es mir auch gefiel, ich ließ mich nicht zu intensiv darauf ein; aus demselben Grund, warum ich im letzten Studienjahr kein Steuermann mehr war. Ich verbrachte die Zeit lieber mit meinen Studien. Und diese Disziplin zahlte sich aus. Ich war zwar nicht so klug wie alle anderen, aber ich schloss das Studium »cum laude« ab. Und wie so viele andere College-Absolventen hatte ich überhaupt keine Ahnung, was ich nun tun sollte.

Meine Bewerbungen wurden von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Harvard und von den juristischen Fakultäten in Harvard und Yale akzeptiert, aber es hätte auch eine medizinische Fakultät sein können, so begeistert war ich davon, zwischen ihnen allen wählen zu können. Was ich wirklich wollte, war zu reisen. Als Junge hatte ich mit Begeisterung Dickens’ Pickwick Papers gelesen. Die Gentlemen des Pickwick Clubs und ihre seltsamen Abenteuer haben bei der Entwicklung meiner Wanderlust vielleicht eine Rolle gespielt. Schon damals, mit 21 Jahren, war mir bewusst, dass einfach die Ortsveränderung – in meinem Fall vom ländlichen Alabama zu einem berühmten und angesehenen College 1000 Meilen von der Heimat entfernt – ein wichtiger Teil meiner Ausbildung war. Das öffnete mir die Augen, und ich lernte viel daraus. »Und was wissen die von England, die nur England kennen?«, schrieb Rudyard Kipling in »The English Flag«.

Von Yale ins Investment

Ich hatte immer das Gefühl, zu vielen Leuten in Yale nicht recht zu passen, weil sie viel gereist waren. Es war immer meine Leidenschaft gewesen, mehr von der Welt zu wissen und zu sehen. Ein paar Jahre zuvor hatte ich meiner damaligen Freundin Janet Corley von dieser Sehnsucht erzählt. »Ich bin 16 Jahre alt«, klagte ich, »und ich war wirklich noch nirgends.« Die welterfahrene Janet zeigte mir ihr Mitgefühl: »Ich bin 16 und war schon an vielen Orten«, meinte sie. »Ich war in Birmingham, in Mobile, in Montgomery, in Tuscaloosa …« Um meinen Horizont zu erweitern, bewarb ich mich für verschiedene Stipendien in Übersee. Als Leute auf den Campus kamen, die Absolventen für ihre Unternehmen suchten, hatte ich schon ein akademisches Stipendium aus Yale, um Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften am Balliol College in Oxford zu studieren. Das war meine Chance, ins Ausland zu gehen, und bot den zusätzlichen Vorteil, dass ich nun zwei weitere Jahre Zeit hatte, mich zu entscheiden, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. (Und im Geheimen hegte ich die Fantasie, als Steuermann an der legendären Bootsregatta zwischen Oxford und Cambridge teilzunehmen.) Ich war schon ganz begierig auf die Abreise. Nun brauchte ich nur noch einen Job für den Sommer.

Dominick & Dominick Inc., eine der ältesten privaten Investmentfirmen in den USA war in Yale massiv auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Sie war eine von mehreren Firmen, mit denen ich auf dem Campus Bewerbungsgespräche vereinbarte. Bei den anderen Unternehmen hatte ich nicht viel Erfolg, aber mit Joe Caccioti von Dominick & Dominick verstand ich mich gleich hervorragend. Er war in den Straßen der Bronx aufgewachsen und hatte es irgendwie nach Harvard geschafft; ich war in der hintersten Provinz Alabamas aufgewachsen und hatte es irgendwie nach Yale geschafft. Wir schienen viel gemeinsam zu haben – mit einer wichtigen Ausnahme: Dominick & Dominick suchte Vollzeitkräfte. »Ich kann bei Ihnen keinen Vollzeitjob annehmen«, sagte ich ihm. »Aber im Sommer würde ich sehr gern für Sie arbeiten.« Dominick & Dominick, 1870 gegründet und eines der älteren Mitglieder der New York Stock Exchange, tauchte in der Regel nicht in jedem Frühjahr in Yale auf, um dort nach Aushilfskräften für den Sommer zu suchen. Aus irgendwelchen Gründen – wahrscheinlich auf Joes Drängen hin – machte die Firma in meinem Fall eine Ausnahme, und im Sommer 1964 begann ich, an der Wall Street zu arbeiten.

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Aufbruch nach Oxford

Als ich im Herbst nach Oxford aufbrach, wusste ich ganz genau, was ich für den Rest meines Lebens tun wollte. Ehe ich dorthin ging, wusste ich über die Wall Street nur, dass sie irgendwo in New York lag und dass dort 1929 etwas Schlimmes passiert war. Ich wusste nicht, dass es einen Unterschied zwischen Aktien und Anleihen gab, und schon gar nicht, worin dieser Unterschied bestand. Ich hatte keinen blassen Schimmer von Währungen oder Rohstoffen. Ich bezweifle, dass ich damals wusste, dass der Kupferpreis an diesen Märkten stieg und sank.

In diesem ersten Sommer bei Dominick & Dominick arbeitete ich in der Researchabteilung und beantwortete telegrafische Fragen von Brokern: Zahlt General Motors eine Dividende, und wenn ja, wie viel? Ich blühte auf, wenn ich Informationen ausgrub. Ich arbeitete auch im Handelsraum, wo die Firma als Market Maker für verschiedene Aktien agierte, die nicht an der New York Stock Exchange notiert waren. Dabei handelte es sich um den OTC-Handel in der Zeit, als es die NASDAQ noch nicht gab. Ich lernte viel darüber, wie die Märkte auf der Basis von Transaktionen wirklich funktionieren. Einmal fragte mich das führende Vorstandsmitglied, wo ich zur Schule gegangen war. Ich antwortete, ich sei in Yale gewesen. Er sagte: »Gut, wir wollen hier nämlich nicht zu viele Rotbäuche und Tigerjungs haben.« Damit meinte er die Absolventen von Harvard und Princeton. Als ich ihm begegnete, nutzte ich die Gelegenheit zur Frage, ob ich Wirtschaft studieren sollte. Er sagte: »Dort wird man Ihnen nichts Nützliches beibringen. Kommen Sie hierher, verkaufen Sie Sojabohnen leer, nur einmal, dann lernen Sie viel mehr über die Märkte, als wenn Sie zwei Jahre mit einem Studium verschwenden.«

Arbeiten an der WallStreet

Es war ein aufregender Sommer. Ich sah die Welt auf eine Weise, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Plötzlich waren meine Studien der Geschichte und der aktuellen Ereignisse mehr als theoretische Übungen – Sie waren von praktischem Wert. Meine Leidenschaft, die Welt kennenzulernen, hatte nun einen Zweck. Als Geschichtsstudent fand ich es faszinierend zu lernen, wie die Märkte von globalen Ereignissen beeinflusst wurden. Vor allem aber: Zum ersten Mal im Leben stellte ich wirklich fest, auf welch vorhersagbare Art und Weise die globalen Ereignisse von den Märkten beeinflusst wurden. Ich merkte, dass alles miteinander in Verbindung stand. Ich lernte, dass eine Revolution in Chile den Kupferpreis beeinflusste; folglich auch die Preise für Elektrizität und Häuser – alle Preise auf der ganzen Welt. Das wirkte sich auf alle aus, sogar auf Hauseigentümer in Toledo. Zudem lernte ich: Wenn man in der Lage war, eine Revolution in Chile zu prognostizieren, konnte man sich ein ziemlich gutes Leben leisten. In diesem Sommer entdeckte ich meine Zukunft. An der Wall Street wurde ich tatsächlich dafür bezahlt, meine Neigung zum Forschen auszuleben.

Und man würde mir viel bezahlen, wenn ich es richtig machte. An der Wall Street wurde ich dafür belohnt, all das zu tun, was ich sehr gern tue. Es war der erste von zwei Sommern bei Dominick & Dominick, und ich wusste sofort, dass ich, nach dem Aufenthalt in Oxford, Rechtswissenschaften studieren würde. Ich würde keine Wirtschaftsschule besuchen. Und so schnell wie möglich würde ich wieder an der Wall Street arbeiten.

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