Danke Christoph Athanas wurde ich auf Twitter auf den kreativen Social-Media-Lebenslauf von Hagan Blount aufmerksam. Der bezeichnet sich als arbeitsloser Social-Media-Stratege und gibt an, für essen zu twittern. Ist das jetzt eine gelungene, kreative Idee oder ein Versuch, der leider etwas übers Ziel hinausschießt?

Eins muss man Hagan Blount lassen: Er hat Humor. Sich wie ein Bettler zu präsentieren, zeugt jedenfalls von einer gehörigen Priese davon. Oder ist das Bettelschild doch eine Prise zu devot? Werden nicht die falschen Assoziationen geweckt, weil er sich eher als Bittsteller denn als selbstbewusster, kompetenter Macher verkauft?
Mal was anderes
Auch seinen Lebenslauf fand ich auf den ersten Blick klasse. Mal was anderes. Was ganz anderes. Mit Icons und fett herausgestellten Zahlen. Sieht doch super aus: Das Wichtigste prägnant herausgestellt, dazu wirkt es hypermodern.
Aber nur auf den ersten Blick. Im zweiten Blick ergeben sich ein paar Schwächen. Die Icons zum Beispiel finde ich schlicht überflüssig. Man versteht nicht sofort, wofür sie stehen sollen. Auch dass diese sich unten in einer Statistik wiederfinden, die den Kompetenzverlauf darstellen soll, versteht man nicht auf den ersten Blick. Schöne Idee, aber ein wenig Too Much.
Mit Zahlen punkten
Wirklich toll finde ich die Idee mit den Zahlen: Wichtige Skills mit Fettgedrucken Bezifferungen darzustellen muss doch das Herz jedes Personalers freudig springen lassen: Da hat er mal gleich alle Werte in einem Überblick beisamen.
Leider wirkt auch das ein wenig unübersichtlich. Insgesamt wirkt die ganze Seite ein wenig zu gedrängt. Obwohl die Ursprungsidee wirklich gut war: Alles wichtige auf einen Blick und wichtigen Sachen fett hervorgehoben. Allerdings wäre um der Übersichtlichkeit weniger – und damit meine ich weniger Spielerei, mehr gewesen.
Eine gute Idee verschenkt. Aber immerhin: Blount hat es geschafft, dass man über ihn redet! Oder was mein Ihr?
Autor: Simone Janson
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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16. Juni 2011 um 16:16 Uhr
Also ich finde das gut und bin fast neidisch: Eine solch schöne Gestaltung meines Lebenslaufes mit Charts und Statistiken auch noch grafisch umzusetzen – ich täte mich schwer. In kreativen Gefilden kann Herr Blunt bestimmt damit punkten.
Aber wie immer kommt es darauf an, wo man landen möchte. So heißt es möglicherweise:
TOP für Werbeagentur, Social-Media Beratung, PR-Agentur
FLOP für Rechtswanwaltskanzlei, Steuerbüro, Ingenieurbüro
16. Juni 2011 um 17:58 Uhr
Hallo Frau Janson,
eine nette Idee von Ihnen, mein Tweet über den ungewöhnlichen CV zum Anlass für einen Artikel in Ihrem Blog zu nehmen. Das ist mal fixe und sinnvolle Informationsverwertung
Inhaltlich sehe ich beim Betrachten von Hagan Blount ungewöhnlichem CV auch Licht und Schatten – klar!
Ich finde es in erster Linie bemerkenswert, wie kreativ und wie anders er seine Kompetenzen darstellt. Mir persönlich ist es auch ein wenig zu textlastig und zu Info-überladen.
Wie Lars Hahn in seinem Kommentar anmerkt, ist natürlich im Fall der Fälle auch der potentielle Empfänger/ Leser eines solchen Lebenslaufes zu berücksichtigen. Meine Erfahrungen sagen mir hierzu: Triff die Erwartungen des Betrachters zu 80% und überrasche zu 20%. Damit erreicht man i.d.R. genügend Aufmerksamkeit, ohne zu viel Irritation zu schaffen. Mr.Blount hat sich in dieser Hinsicht für ein etwas anderes Verhältnis entschieden. Mein Respekt für dieses Experiment hat er und die Aufmerksamkeit – zumindest von uns hier – auch.
Beste Grüße, Christoph Athanas
17. Juni 2011 um 09:25 Uhr
Ich hege meinen Zweifel, dass es in Spießer-Deutschland bis auf einige Ausnahmen funktionieren würde. In die großen Unternehmen kommt man damit vermutlich nicht, die sind nämlich noch viel weiter zurück als man meint
just my 2cents.
PS: Die Idee selbst finde ich allerdings grandios
17. Juni 2011 um 09:54 Uhr
Liebe Simone Jansen -
Schon jemals eine Social-Media-Infografik gesehen? Die sehen derzeit nunmal gängigerweise so aus! Insofern ist das top und konsequent umgesetzt. Ich stimme Kai zu, dass es die meisten Personaler in Deutschland eher nicht überzeugen dürfte, und bin auch der Meinung, dass die Art der Infografik eben recht amerikanisch ist. Aber auch ich finde die Idee super, und jeder, der sich auch nur ein bisschen mit Social Media auskennt und einen entsprechenden Fachmann sucht, sollte(!) auf den ersten Blick erkennen, dass hier kein Amateur am Werk war. Aber es gibt noch viel zu predigen, bis Deutschland soweit ist… ;o)
28. Januar 2012 um 07:08 Uhr
It’s always a pleasure to hear from someone with extperise.
17. Juni 2011 um 11:03 Uhr
Grundsätzlich gefällt mir die Idee, praktisch offenbaren sich dann ein paar der schon angesprochenen Schwächen.
Interessant finde ich, dass Hagan auch Misserfolge erwähnt, z.B. seinen “Ausflug” in die Lehrtätigkeit. Generell finde ich die schriftliche Selbstdarstellung etwas zu flapsig und inhaltlich nicht sehr aussagekräftig, das Plus liegt hier eindeutig in der Präsentation.
17. Juni 2011 um 14:35 Uhr
Liebe Leser, wow, da habe ich ja eine ganz angeregte Diskussion losgetreten.
Vorneweg: Ich fand die Idee wirklich sehr gut – aber ich wollte eben auch mal den typisch deutschen Spießer raushängen lassen, um eine Diskussion anzuregen. Scheint ja geklappt zu haben.
Also mal der Reihe nach:
@Lars Hahn: Da haben Sie recht, auf die grafische Umsetzung kann man durchaus neidisch sein. Ich tue mir da auch immer ein wenig schwer mit…
@Christoph Athanas: Danke für die Blumen – und danke für die Super-Vorlage! Danke für Ihre Super-Ausführungen, denen ich nichts hinzuzufügen habe.
@Kai Thrun: So allgemein würde ich das nicht sehen. Man sieht ja, dass Blount allein schon hier im Blog einiges an Beifall bekommt… Vielleicht doch das richtige für die Kreativbranche? Aber: Wie gesagt, es kommt eben nicht nur auf die Verpackung sondern auch auf den Inhalt an.
@Ralf Heinrich: Klar habe ich schon eine Social-Media-Infografik gesehen. Deswegen habe ich das Teil ja auch Social-Media-Lebenslauf getauft… gegen die Idee habe ich ja auch gar nichts gesagt… nur bei der Umsetzung harpert es m.E. ein wenig. Und Sie haben recht: Vermutlich müsste man das ganze auf dt. Verhältnisse anpassen. Sprüche wie “Hagan is a Lion” dürften hierzulande kaum einen vom Hocker reisen…
@Tanja Handel: Das mit den Misserfolgen ist vielleicht wirklich eine Sache der Betrachtungsweise: In den USA dürfte sowas als Erfahrung gelten, während man in Deutschland jedes Scheitern und jeden Irrweg unter den Teppich kehrt. Da bleibt die Frage: Was ist denn ein Misserfolg.
Freue mich jedenfalls, wenn die Sache den einen oder anderen angeregt hat, seinen Lebenslauf etwas zu pimpen. Würde mich freuen, über Erfahrungsberichte.
18. Juni 2011 um 17:50 Uhr
Thanks so much for the post and the critiques. I like to think the ends justify the means
20. Juni 2011 um 11:00 Uhr
Hi Hagan, thanks for your comment. Most of people found your idea great, just we discussed if it would work in Germany too and most of the commentors said no, as Germany is more conservative than NY is.
” – thats a great point of view. We all are very curious to konw if your innovative way of job-searching will suceed. Just let us know about your experiences.
“the ends justify the means
Simone
4. Juli 2011 um 16:22 Uhr
@ Simone: Stimmt, die deutschsprachige Kultur ist sichtlich intoleranter gegenüber Fehltritten. Insofern eben kein Beispiel, dass sich 1:1 nach D/Ö/CH importieren lässt, aber durchaus eine spannende Anregung.
@ Hagan: Seems your resume works well for you.