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Berufsbild » Mit Kreativität, Unternehmergeist & Persönlichkeit: Agloves – von der guten Idee zur Erfolgsgeschichte
Wirklich herausragende, innovative Ideen entstehen seltener aus komplexen, strategischen Überlegungen, sondern meist dann, wenn jemand mehr oder minder zufällig einen Bedarf, also die Marktlücke, entdeckt: So war es auch bei den Agloves, den Handschuhen für Touchscreens.
1. Januar 2010 und Schneesturm über Washington D.C.: Die heute 23jährige Jean Spencer wollte einen Blick auf ihre E-Mails auf ihrem iPhone werfen – aber das ging mit ihren Handschuhen nicht. Und sie hatte nur eine Wahl: Entweder sich schnell der wärmendenen Überzieher zu entledigen – oder alle Nachrichten verlieren.
Wo ein Wille, da ein Weg!
Denn Problem mit normalen Handschuhen ist: Touchpads reagieren nur auf die Elektrizität der menschlichen Finger. Aber durch Handschuhe fließt keine Elektrizität mehr zum Touchpad.
Jean aber dachte sich: Wenn Menschen in der Lage sind, iPhones zu erfinden, dann muss es auch eine Möglichkeit geben, diese auch mit Handschuhen zu nutzen. Und Sie begann, gemeinsam mit ihrer Mutter Jennifer Spencer verschiedene Materialien zu testen.
In Deutschland wären sie ausgelacht worden
In Deutschland hätte man die beiden Texanerinnen vermutlich ausgelacht: Denn sie hatten keinerlei Erfahrung in der Textilbranche. Klassische Quereinsteige also – aber mit viel Unternehmergeist: Mutter Jennifer, 52, hat einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und bei zahlreichen Start-ups mitgewirk.
Tochter Jean hat einen Bachelor in Journalismus und arbeitete vor der Erfindung der Agloves beim renommierten Wall-Street-Journal. Und die beiden stellten fest: Silber ist das Material, dass die Elektrizität der Finger am besten weiterleitet. Silber wirkt zudem wie ein natürlicher Thermoregulator.
Von der Idee zur Markführerschaft
Ein gutes dreiviertel Jahr werkelten die beiden an ihrem Produkt bis zur Markteinführung im September 2010. Ca. 70.000 Handschuhe wurden seitdem verkauft, Agloves ist offizieller Ausrüster der amerikanischen Ski-Nationalmanschaft. Jetzt, ein Jahr später, sollen die Agloves auch in der EU vertrieben werden.
Der Name setzt sich zusammen aus dem chemischen Element Silber (Argentum) und dem englischen Wort für Handschuhe, Gloves. Das Internet und die Suchmaschinenenoptimierung ist dabei der wichtigste Baustein im Vertriebsnetz, wie mir Jean mir auf der IFA erklärt: Wer Touchscreene Gloves oder ähnliche Suchbegriffe eingibt, findet automatisch die Agloves auf Platz 1 bei Google.
Innovation kraft Persönlichkeit
Ob sie keine Angst hat, dass ihnen jemand die Idee stehlen oder Konkurrenz machen könnte? Jean winkt locker ab: “Wir haben ein Patent angemeldet. Außerdem ist unser Handschuh der einzige, mit dem man alle 10 Finger auf dem Touchpad benutzen kann, nicht nur zwei… und sieht er nicht stylisch aus?” fragt sie mich mit spitzbübischem Lachen.
Genau daran zeigt sich, dass der Erfolg eines Unternehmens auch stark von der Unternehmerpersönlichkeit abhängt: Jean und Jennifer sind einfach sympathisch, cool, selbstwusst, aktiv und mutig – und damit überzeugen Sie auch ihre Kunden, so das Agloves unabhängig von großen Konzernen zu einer Erfolgsgeschichte werden konnte.
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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