Zeitarbeit:

Moderne Sklaverei oder Alternative zur Arbeitslosigkeit?

4 Kommentare - Kommentieren Sie! Tags: , , , . Rubrik(en): Arbeits- & Sozialrecht, Arbeitsproben, Featured


Von Simone Janson, 05. November 2009: In Nordrhein-Westfalen arbeiten etwa 1,8 Prozent der Erwerbstätigen in Zeitarbeit. Doch die hat einen denkbar schlechten Ruf als moderne Sklavenarbeit zu Dumpinglöhnen, die feste Arbeitsverhältnisse verdrängt. Zeitarbeit kann unter Umständen aber auch eine akzeptable Alternative zur Festanstellung sein. Sigrid Lang ist seit August Assistentin ... Weiterlesen - Translate full text



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In Nordrhein-Westfalen arbeiten etwa 1,8 Prozent der Erwerbstätigen in Zeitarbeit. Doch die hat einen denkbar schlechten Ruf als moderne Sklavenarbeit zu Dumpinglöhnen, die feste Arbeitsverhältnisse verdrängt. Zeitarbeit kann unter Umständen aber auch eine akzeptable Alternative zur Festanstellung sein.

Sigrid Lang ist seit August Assistentin der Projektleitung bei der Neukranz Personalservice GmbH. Sie organisiert dort alle internen Geschäftsprozesse für den Kunden im Projektbüro einer Großbaustelle. Für die gelernte Bürokauffrau war von Anfang an klar: Zeitarbeit ist besser als Arbeitslosigkeit: “Ich hatte die ganze ‘Karriere’ bis zu Hartz IV durch. Der Job hier hat mich wieder motiviert und mir gezeigt, dass ich etwas wert bin. Ich würde das auch jederzeit wieder machen.”

Die Zeitarbeit habe, so Lang, den Vorteil, dass sie auf jeden Fall mehr Geld bekomme als bei Arbeitslosigkeit und ganz unterschiedliche Erfahrungen machen könne: “Ich lerne durch verschiedene Einsätze viel Neues und kann mein berufliches Know-How weiter entwickeln. Außerdem lerne ich die Unternehmen besser kennen und kann für mich selbst testen, ob ich bei meinem Entleiher fest angestellt arbeiten möchte.” Denn grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, übernommen zu werden: “Bei einigen Einsätzen wurden mir im Vorfeld schon Festanstellungen angeboten und viele Firmen würden Leiharbeiter auch gerne übernehmen. Oft klappt es dann aber aus internen Gründen wie etwa Einstellungsstopp nicht.”

Schlecht behandelt oder ausgebeutet fühlt sie sich hingegen nicht, räumt aber ein, dass es natürlich auch unseriöse Zeitarbeitsfirmen gibt: “Bisher wurde ich hier aber immer wertgeschätzt.” Und auch damit, dass sie für die gleiche Arbeit weniger Gehalt erhält als ihre festangestellten Kollegen, hat sie kein Problem: “Das wusste ich ja vorher und hätte es sonst nicht gemacht!” Allerdings hatte sie auch von Anfang an eine Schmerzgrenze beim Gehalt im Kopf: “Hätte ich eine bestimmte Summe nicht bekommen, hätte ich dann doch lieber Arbeitslosengeld beantragt.”

Die Erfahrungen von Sigrid Lang bestätigt auch die Studie “Zeitarbeit in Nordrhein-Westfalen”, die vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales herausgegeben wurde: Ein massenhaftes Ersetzen von Stammbelegschaften durch Leiharbeitnehmer ist demnach nicht zu erkennen. Vielmehr wird Leiharbeit zur Personalrekrutierung und in auftragsstarken Zeiten genutzt. Und sie kann ein wichtiges Mittel zum Übergang in eine Festanstellung sein: Fast 58 Prozent aller Beschäftigten der Zeitarbeitsbranche in NRW waren vorher arbeitslos, 20 Prozent von ihnen sogar langzeitarbeitslos. Und rund 1/3 der Leiharbeitnehmer findet aus der Zeitarbeit heraus eine neue Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt.

Das Manko ist allerdings die geringe Entlohnung: Zwar ist der Lohn in seriösen Zeitarbeitsfirmen in der Regel über Tarifverträge geregelt, aber die untersten Tariflöhne liegen bei etwa 7,20 Euro pro Stunde. Daher verdienen Leiharbeitnehmer in vergleichbaren Gehaltsgruppen 36 bis 45 Prozent weniger als ihre festangestellten Kollegen.

Dieser Artikel erschien bei RP-ONLINE unter www.rp-online.de/beruf/arbeitswelt/Moderne-Sklaverei-oder-Alternative-zur-Arbeitslosigkeit_aid_775948.html

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Diskussionbeiträge - Kommentare, Retweets, Trackbacks



  1. Bernd Langfeld sagt:

    Das ist völliger Schwachsinn!Die untersten Tariflöhne liegen bei etwa 7,20 Euro pro Stunde!Ich habe eine angeblich seriöse Zeitarbeitsfirma gehabt in der ich 5,50 Euro die Stunde bekommen habe!Und teilweise habe ich 50 Stunden die Woche gearbeitet!Zeitarbeit bringt einen mit Familie nicht von ALG2 Weg das ist die Wahrheit.Meistens wird aufgestockt!Wenn man genau rechnet wird man feststellen das dass rein für das gute Gewissen ist das man bei ZAB arbeiten geht!Und das sich die Berufsfelder erweitern in der ZAB Branche mag sein!Aber klar zu sehen sind zwei Dinge!
    Die Löhne bleiben immer unter der einer Festeinstellung!Und die wahren Prozentuale welche in eine Festanstellung gehen sind nicht überschaubar.
    Die dritte Sache die hinzu kommt selbst gelernte Kräfte und Leute die in ihrem Leben einen hohen Beruflichen Status erreicht haben werden dort ausgebeutet und meistens den Arbeitgebern überlassen für monotone Tätigkeiten!Darunter Äpfel sortieren!Container packen!Meistens Laufband Produktion!Und das ist nicht Sinn der Sache!Lieber ZABs schließen denn viele werden von der Arge und dem Arbeitsamt unterstützt!Die Sinnlos Maßnahmen der Arge stoppen!So wird Geld gespart welches in Dinge investiert werden kann wie zum Beispiel: Persönliches Analyse eines Arbeitnehmers!Sprich was kann der Mann die Frau was macht ihr/ihm Spaß!Und Maßnahmen einleiten die dazu beitragen das Er oder Sie in die Arbeit reinkommt wo gesichter ist das diese Leute dann nicht nach nem Jahr wieder bei der Arge sitzen!So würde man viel mehr Leute wieder in Arbeit kriegen wo sie auch bleiben!Und so reduziert man Arbeitslosenzahlen!Nicht mit dem Druck du gehst jetzt dahin sonst gibs kein Geld!Sowas ist unmenschlich!Aber die meisten ZABs wissen genau um diese Umstände und machen sich das zum Vorteil!Deswegen Zeitarbeit ja in äusserster Not!Aber nicht zu den Konditionen!Mir persönlich gefällt es garnicht das die Branche wächst!Denn das verdrängt die feste Arbeit!Hier sprach jemand der bereits zehn Zeitarbeitsfirmen kennen lernen durfte!

  2. Simone Janson sagt:

    Hallo Herr Langfeld,
    danke für Ihren Erfahrungsbericht, den ich an diese Stelle sehr wertvoll finde. Offenbar haben Sie andere Erfahrungen gemacht als Frau Lange.
    Nachdem ich gerade diese Woche miterleben durfte, wie eine Diskussion, die ganz ähnlich begann und in der offenbar auch persönliche Erfahrungen eine große Rolle spielten (http://www.berufebilder.de/about/featured/fachkraeftemangel-ein-maerchen-ein-job-fuer-die-ingenieure-karen-sandra) dann ohne wirklich überzeugende Argumente endete, bin ich ein nun wenig vorsichtig geworden.

    In jedem Fall: Sollte ich das Thema Zeitarbeit aber mal wieder für einen Artikel aufgreifen, komme ich gerne auf Sie zurück – sofern ich Sie unter der angegebenen E-Mail-Adresse erreiche.
    Simone Janson

  3. dennis sagt:

    Zeitarbeit ist meiner Meinung nach überhaupt keine Alternative zur Festanstellung, jedenfalls nicht für die Arbeitnehmer. Es mag ja sein, dass die Firmen flexibel auf die Auftragslage reagieren müssen, aber auch der Arbeitnehmer braucht Planungssicherheit, das da mit der Arge gemauschelt wird ist jedenfalls in OWL ein offenes Geheimnis.

    Zum guten Gewissen, ich habe kein schlechtes Gewissen wenn ich Geld vom Amt bekomme, denn für viele gibt es keine Arbeitsplätze, da wird es Zeit über eine neue Gesellschaftsordnung nachzudenken, die Sklaverei, oder Leibeigenschaft jedenfalls haben wir ja erfolgreich abgeschafft auch wenn einige Politiker sie gerne wieder hätten. Flexibilität ja, Sklavenlöhne nein, das ist meine Meinung zur Zeitarbeit

  4. Simone Janson sagt:

    Hallo Dennis,
    Zur Zeitarbeit kann man durchaus unterschiedlicher Meinung sein, wie Sigrid Lange nochmal im Interview zeigt sagt:
    http://www.berufebilder.de/interviews/interview-mit-zeitarbeiterin-sigrid-lang-es-ist-wichtig-dass-zeitarbeitsfirmen-ihre-mitarbeiter-wertschaetzen-und-nicht-behandeln-wie-ein-stueck-fleisch

    Ideen zur Lösung des Einkommens-Problems bei gibt es ja schon:







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