Zahl der mobilen Internetnutzer wächst… aber:

Vorsicht vor Verbrauchertexten mit Schleichwerbung!

2 Kommentare - Kommentieren Sie! Tags: , . Rubrik(en): Featured, Tools & Software


Von Simone Janson, 17. Dezember 2009: Nicht jede Pressemitteilung, die ich als Journalist so bekomme und die vorgaukelt, eine neutrale Studie zu sein, ist das auch wirklich. Ein paar Hinweise, wo man genau hinschauen muss... Kürzlich erreichte mich eine jubelnde Pressemitteilung des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft. Der hatte in Kooperation ... Weiterlesen - Translate full text



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Kürzlich erreichte mich eine jubelnde Pressemitteilung des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft. Der hatte in Kooperation mit teltarif.de den vierteljährlich erscheinenden “BVDW Mobile Monitor” ausgewertet, der die günstigsten Datentarife zur mobilen Internetnutzung auf einen Blick zeigt. Dabei der BVDW zu folgendem freudigen Ergebnis gekommen:

Die Aussagen des BVDW

Die Nutzung des mobilen Internets ist 2009 deutlich günstiger geworden. So sind Monatsflatrates für die mobile Internetnutzung im Jahresverlauf um bis zu 24 Prozent im Preis gesunken. Auch Tagesflatrates haben sich um bis zu 20 Prozent vergünstigt. Positiv für die Verbraucher: Unter den günstigen Angeboten gibt es immer mehr Tarife mit einer kurzen Mindestlaufzeit von nur einem Monat. Ein Anbieter- oder Tarifwechsel ist somit zeitnah möglich. Weiterhin stehen seit Anfang 2009 deutlich mehr Anbieter und dementsprechend mobile Internettarife für den Nutzer zur Auswahl.

Der BVDW Mobile Monitor will auch die günstigste Mobile Internetflatrate für einen Monat für 14,99 Euro ausgemacht haben. Da es zu Beginn des Jahres noch 19,80 Euro waren entspricht das einem Preisnachlass von rund 24 Prozent (hört sich doch besser an als 5 Euro billiger – oder?)  Auch der niedrigste Preis für eine Tagesflatrate ist von 2,50 Euro auf 1,99 Euro um rund 20 Prozent (ganze 50 Cent :-) !)  gesunken. Nur die volumenabhängigen mobile Internettarife bewegen sich nicht: Der günstigste Megabyte-Preis liegt hier seit Anfang des Jahres bei 19 Cent. Ach ja, netterweise werden in der Übersicht nur vollwertige Tarife berücksichtigt, die nicht den Abschluss eines Sprachtarifs voraussetzen, der zusätzliche Kosten verursachen würde.

Was dahinter steckt

Soweit, so schön. Was will uns diese Ausführung sagen: Explizit, dass mobile Flatrates, hurra, immer billiger werden. Implizit, dass sich die Flatrates mehr lohnen als als Volumentarife. Fragt sich nur für wen: Denn wer lädt schon ganze Kinofilme mit einer schleichenden UMTS-Verbindung herunter? Für E-Mails und ein paar Anfragen via google, das was die meisten also tun, reichen in der Regel ein paar Megabyte.

Und es geht noch weiter mit der impliziten Einflussnahem das vorgeblich so verbraucherfreundlichen Textes: So wird Marc O. Schmöger (Seven Principles), Arbeitskreisleiter Mobile Solutions im BVDW zitiert: “Wir gehen davon aus, dass die Kosten für die mobile Internetnutzung auch 2010 weiter sinken werden. Wie beim stationären Internet wird auch die Mobile Internetflatrate immer mehr zum Standard”. Und Martin Müller, Geschäftsführer bei teltarif.de, setzt sogar noch einen drauf: “Das Mobile Internet wird durch eine Vielzahl interessanter Smartphones vorangetrieben und ist auf Grund der gesunkenen Preise in der Gesellschaft angekommen.”

Schleichwerbung im Verbrauchertext!

Geht es noch werblicher? Unter dem Deckmantel der Verbraucherfreudlichkeit sollen dem Kunden hier gleich zwei Botschaften untergejubelt werden: Flatrates werden immer billiger und Smartphones immer interessanter.

Um das klar zu stellen: Ich habe nichts gegen die Verbreitung von mobilen Geräten und Flatrates, feine Sache, wenn auch in vielen Fällen noch nicht ganz ausgereift. Aber bitte schön bei der Wahrheit bleiben: Was mich stört, ist etwas plumpe Versuch, den Leuten auf diese Weise hintenrum zu verklickern, dass Sie doch bitte mobile Geräte kaufen und Flatrates nutzen sollen!

Und noch eines ist nicht ganz wahr: Die Ausbreitung der mobilen Internetnutzer wächst nicht alleine deshalb, weil es immer günstiger wird – sondern auch, weil man allmählich ohne mobile Geräte ganz schön aufgeschmissen ist!

Warum man ohne mobiles Internet bald gar nicht mehr leben kann

Das man Fahrplandaten und Zugverspätungen am ehesten mobil erfragen kann, ist ja schon fast ein alter Hut. Aber dieses Jahr wurden die Ausstellungsdaten auf der Frankfurter Buchmesse gar nicht mehr zum Download als Offline-Software fürs Handy angeboten, sondern waren ausschließlich online und natürlich als schwer, teuere Printversion verfügbar.

Ein Problem übrigens, dass jeden treffen kann, nicht nur Besucher der Buchmesse: Wie findet man spontan eine Adresse heraus? Früher gab es in Telefonzellen Telefonbücher, später stand bei unserem T-Punkt ein Kundencomputer herum, der wichtigste Infos ausgab. Heute kriege ich mächtigen Ärger, weil ich ganz naiv in einen T-Punkt hineinmaschiere, um eine bestimmte Adresse in Bonn herauszufinden. Wir erinnern uns vage, dass die Telekom auch die Telefonbücher kostenlos herausgibt. Ich habe also ganz naiv geglaubt, in einem T-Punkt liege auch ein Telefonbuch herum und habe dann gefragt, ob man die Adress nichtmal schnell in einem Computer nachschauen kann.

Das sind die Momente, in denen ich mir fest vornehme, demnächst auch mobiles Internet zu haben. Die Frage ist nur, ob ich das freiwillig tue oder ob ich dazu gezwungen werde, weil Unternehmen ihre Serviceleistungen immer mehr zurückfahren. Und die Frage ist auch, gerade beim Beispiel Telekom, ob das nicht sogar Methode hat, z.B. weil sich ja die UMTS-Lizenzen irgendwie rechnen müssen.

Das alles sollte man jedenfalls bedenken, wenn man solche Pressemitteilungen den BVDW liest, die angeblich als Verbrauchertexte daher kommen.

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Diskussionbeiträge - Kommentare, Retweets, Trackbacks



  1. Alice sagt:

    Hervorragender Post. Da hat mich Yahoo mal wieder an einen genialen Blog geschickt.
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    Viele Grüße aus Weil am Rhein

  2. Simone Janson sagt:

    Danke!







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